Der Verein Clownvisite feiert – ein Besuch mit Schorschett im Josefsheim Susten

Am Sonntag feiert der Verein Clownvisite sein 15-Jahr-Jubiläum im La Poste in Visp. Eine Reportage mit einer Clownin und ein Gespräch mit dem Vorstand zeigen, dass Lachen Medizin ist.

Vor dem Alters- und Pflegeheim St. Josef etwas ausserhalb von Susten spielt sich der Alltag ab. Immer wieder kommen Autos, aus denen Besucher aussteigen, um ihre Liebsten zu besuchen. Aus einem Auto, das auf dem Parkplatz parkt, steigt eine Frau. Sie trägt lange, grosse Schuhe, bunte Socken und hat sich ein kleines rotes Herz auf die Nasenspitze gemalt. Es ist Andrea Steiner. Sie ist Clownin des Vereins Clownvisite.

Andrea Steiner wird zu Schorschett

Steiner hebt einen alten Korbwagen aus ihrem Auto. Dieser trägt den Namen Charly. Im Wagen hat sie verschiedene Gegenstände, die sie für ihre Arbeit benötigt. In einem Säcklein befinden sich gelbe Bonbons mit einem lachenden Gesicht darauf. Diese verteilt sie an die Besucher.

Um den Hals trägt Steiner eine rote Clownnase. «Normalerweise setze ich die Nase bereits auf dem Parkplatz auf, da ich mich schon dort in die Rolle des Clowns versetze», sagt sie. Steiner zieht Charly hinter sich her in Richtung des Heimeingangs. Wenige Meter vor dem Eingang setzt sie ihre rote Nase auf.

Nun ist sie nicht mehr Andrea Steiner, sondern Schorschett, ihr Clownname. Schorschett begrüsst einen Bewohner, der vor dem Eingang des Gebäudes sitzt, und unterhält sich mit ihm. Schorschetts Stimme klingt etwas höher und humorvoller. Nach dem kurzen Austausch mit dem Mann geht Schorschett weiter. Der Mann zieht die Mundwinkel nach oben und winkt Schorschett hinterher.

Schorschetts Ziel ist heute der erste Stock. Auf dem Weg dorthin begrüsst sie weitere Mitarbeiter und Bewohner des Heims. Man freut sich auf ihren Besuch. Alle, die Schorschett begrüsst, haben ein Lächeln auf dem Gesicht.

Wenn ein Raum mit guter Laune gefüllt wird

Im Aufenthaltsraum, in den Schorschett sich nun begibt, läuft der Marignano-Marsch – was sie dazu bewegt, den Raum tanzend zu betreten. Schorschett begrüsst alle Bewohnerinnen und Bewohner persönlich per Händeschütteln.

Dazwischen singt Schorschett auf Wunsch einer Bewohnerin einzelne Verse der Walliser Hymne. Einige Bewohner lachen, die anderen singen mit. Der Aufenthaltsraum wird förmlich von fröhlicher Stimmung gefüllt.

Während des 90-minütigen Besuchs im St. Josefsheim schenkt Schorschett den Bewohnern Freudenblumen, die sie mit wenigen Handgriffen aus Pfeifenputzern fertigt. Sie singt mit ihnen immer wieder Lieder wie das «Vogellisi», das sie mit der Ukulele begleitet. Das gemeinsame Singen, so Steiner, ermöglicht einen direkten Zugang zu den Menschen.

Zwischen Freudenblumen und dem gemeinsamen Musizieren unterhält sich Schorschett immer wieder mit den Bewohnern. Mit jedem Bewohner hat sie einen individuellen Umgang.

«Mir bedeutet es viel, Clownin zu sein»

Vor einem Einsatz überlegt sich Andrea Steiner immer, welche Requisiten sie mitnimmt. Zum Beispiel saisonale Sachen. Für ihren Besuch im Josefsheim hat sie Wiesenblumen gepflückt. Damit werden beim Spiel «Heiratu, ledig bliibu, ins Chloschter ga» bei den Bewohnern alte Erinnerungen wach.

Dass sie in die Rolle der Clownin schlüpft, sobald sie ihre rote Nase aufsetzt, passiere fast schon automatisch. «Sobald die Nase montiert ist, ändern sich mein Blick und meine Gangart und es entsteht ein ganz anderes Körpergefühl», sagt Steiner.

Steiner ist bereits seit fünf Jahren Clownin bei der Clownvisite. Am liebsten arbeitet sie mit älteren Leuten. Aber auch die Arbeit mit Kindern findet sie interessant. Steiner sagt: «Es sind der Moment und der Mensch, was zählt. Das Spontane und der Zauber, der in der Begegnung liegt, sind bei Jung und Alt gleich.»

Eine Abteilung des Altersheims ist die Demenzstation mit ihren Bewohnern. Dank ihrer Ausbildung weiss Steiner, wie sie sich einen Zugang zu diesen Menschen verschaffen kann. Aber auch im familiären Umfeld hat sie Erfahrung mit dieser Krankheit. «Meine Mutter war sehr stark dement. Sie ist vor zwei Jahren gestorben», sagt sie. Ihre Erfahrungen als Clownin haben ihr nach eigenen Aussagen im Umgang mit ihrer demenzkranken Mutter sehr geholfen.

Schorschett wird wieder zu Andrea Steiner

Nach rund einer Stunde verabschiedet sich Schorschett von den Bewohnern im Aufenthaltsraum des ersten Stocks. Zum Abschluss ihrer Visite schlendert Schorschett noch durch die Cafeteria. Dort unterhält sie sich mit Angestellten und Bewohnern.

Schorschetts Besuch ist nun zu Ende. Sie zieht Charly hinter sich her und verlässt das Altersheim. Auf dem Parkplatz angekommen, zieht sie ihre rote Nase wieder aus und lässt sie um ihren Hals baumeln. Schorschett hat jetzt Pause. Andrea Steiner ist wieder da. Der Verein Clownvisite feiert dieses Jahr sein 15-Jahr-Jubiläum im Visper La Poste. Das ist ein grosser Moment für den Vereinsvorstand. Der Vorstand setzt sich aus Präsidentin Susanne Hugo, Ruth Thüring, Eveline Schnidrig und Cindy Schnidrig zusammen. Thüring und Hugo waren bereits bei der Gründung des Vereins dabei.

Der Verein Clownvisite wurde 2011 gegründet. «Insgesamt zählt er sieben Clowns und 92 Mitglieder», sagt Ruth Thüring. Um Clown zu werden, braucht es eine spezielle Ausbildung. Susanne Hugo sagt: «Ein schneller Wochenendkurs genügt nicht.» Wer in einem Krankenhaus arbeiten möchte, muss nach der ein- bis zweijährigen Grundausbildung noch ein zusätzliches Jahr zum Gesundheits- oder Bewegungsclown absolvieren. Die Clowns der Clownvisite sind keineswegs zu verwechseln mit jenen des Zirkus.

Susanne Hugo sagt, ein prägender Moment in der Vereinsgeschichte sei die Corona-Pandemie gewesen. Da die Clowns keine Besuche mehr machen durften, schickten sie kleine Büchlein mit guten Gedanken und Bildern an die Heime. Nach der Pandemie stellte der Verein fest, dass das Bedürfnis nach den Clownvisiten gross ist. Dies forderte wiederum Kassierin Cindy Schnidrig. Seitdem ist die Nachfrage nach Clownvisiten hoch geblieben. Eveline Schnidrig bringt es auf den Punkt. Humor ist Medizin. Deshalb machen auch alle Beteiligten die Arbeit mit Herzblut.