«Das Trinkwasser soll nur für Mensch und Tier sein»
Publiziert: 31.08.2026, 08:00 Uhr
Turtmann hat eigentlich genug Wasser – trotzdem muss die Gemeinde ihre Bevölkerung jedes Jahr zum Sparen aufrufen.
Der Sommer ist bald zu Ende. Mehrere Hitzewellen und Waldbrände prägten ihn dieses Jahr. Bei der Hitze dürften auch einige hinterfragen, wie es mit dem Wasser in ihrer Heimat aussieht oder gar, ob alle Gemeinden überhaupt genug haben. Die Schweiz und somit auch das Wallis ist international auch als «Wasserpalast» bekannt. Doch trotzdem gibt es gelegentlich Fälle, in denen Wasser gespart werden muss. So auch etwa in diesem Sommer in Turtmann.
Gabriel Ammann, Gemeindepräsident von Turtmann, steht in der Brunnenstube oberhalb des Dorfes. Hier wird das Wasser aus verschiedenen Quellen gesammelt und anschliessend in ein tiefer gelegenes Wasserreservoir geleitet. Von dort aus fliesst es weiter ins Dorf und schliesslich aus den Wasserhähnen der Turtmännerinnen und Turtmänner. In den vergangenen Jahren forderte die Gemeinde Turtmann-Unterems die Bevölkerung von Turtmann jeweils zum Wassersparen auf. Auch dieses Jahr: Wenn die Bewohner beispielsweise ihren Garten wässern wollen, müssen sie sich an genaue Zeitfenster halten. Doch weshalb ist das überhaupt erst nötig?
Das Problem ist nicht eine grundsätzliche Wasserknappheit. Wenn man die Liefermenge der Quellen und die Einwohnerzahl berechne, habe Turtmann eigentlich genug Wasser, sagt Gabriel Ammann. Der Engpass entsteht im Frühling und im Sommer. Wenn die Einwohner in die Gärten gehen und den Rasen herrichten, steigt der Wasserverbrauch stark an. Es fehle an Wasser, um Gärten und Rasenflächen vollumfänglich mit Trinkwasser zu bewässern, sagt Gabriel Ammann. Gerade im Mai, wenn Setzlinge bewässert werden, wurden in der Vergangenheit grosse Mengen an Trinkwasser verbraucht. Gegenüber dem «Walliser Boten» sagte der Turtmänner Burgerpräsident Georges Jäger vor rund drei Jahren, dass Turtmann den Wasserverbrauch einer Kleinstadt aufweise.
Die Thematik rund um die Millackernquelle
Im Jahr 2023 sorgte ein Medienbericht des «Blick» für nationales Aufsehen. Die Schlagzeile suggerierte, Turtmann wolle eine grosse Trinkwasserquelle an chinesische Investoren verkaufen, während die eigene Bevölkerung unter Wassermangel leide. Dies führte zu etlichen Online-Kommentaren, Hunderten gehässigen Nachrichten an die Gemeinde und einem parlamentarischen Vorstoss von Nationalrat Cédric Wermuth (SP).
Die Faktenlage präsentiert sich anders. Ammann sagt, dass es durchaus potenzielle Investoren gab, eine Finalisierung und Durchsetzung jedoch nie. Bei der Quelle in den Millackern handelt es sich um eine Mineralwasserquelle. Diese liefert 1400 Liter Wasser pro Minute. Dieses Mineralwasser habe zwar gemäss Gabriel Ammann eine sehr hohe Qualität, werde aber nicht in das dörfliche Trinkwassernetz eingespeist. Denn: Das Wasser ist sehr hart und weist hohe Werte an Magnesium, Kalzium und Sulfaten auf. Wollte man es als Trinkwasser nutzen, müsste es vorgängig aufbereitet werden. Zudem liegt die Quelle auf der unteren Seite des Dorfes. Das Wasser müsste nach oben gepumpt werden, um es in das bestehende Netz einzuspeisen.
Zwei Wasser, die sich nie treffen
Querschnitt durch Turtmann: Das Trinkwasser läuft im freien Gefälle von den Quellen ins Dorf. Die grosse Mineralquelle in den Millackern sprudelt unterhalb davon – und fliesst in die Rhone.