Nun ist es so weit: Nach rund 22 Jahren hat die Pflanze von Leo Gottet ihren Lebenszyklus vollendet. Sie blüht – und stirbt danach.
«Tequila kann ich daraus wahrscheinlich keinen mehr machen», sagt Leo Gottet aus Susten. Er steht in seinem Garten vor einer über sieben Meter hohen Agave. Aus der Pflanze stellt man unter anderem das mexikanische Kultgetränk her. Doch dafür ist es bei der Pflanze von Gottet bereits zu spät. Denn diese ist nicht ohne Grund über sieben Meter hoch. Bevor eine Agave abstirbt, blüht sie noch einmal auf. Aus der Mitte der Blattrosette wächst ein stammartiger Blütenstängel hervor, der in die Höhe ragt und blüht, bevor die Agave schliesslich stirbt.
Leo Gottets Garten ist mediterran geprägt. Anstelle von Zwetschgen und Kartoffeln pflanzt Gottet unter anderem Chili, Kakteen und Granatapfel an. Grund dafür ist seine Mutter. «Sie ist in viele südliche Länder gereist. Dadurch ist sie ein echter Kaktus-Fan geworden», sagt er. Die Agave steht ganz hinten im Garten, auf den ersten Blick bemerkt man sie kaum.
Am Anfang hatte der Stängel der Agave einen Durchmesser von dreieinhalb Metern und eine Höhe von zwei Metern. Die Höhe beträgt mittlerweile mit sieben Metern fast das Vierfache. Die Pflanze ist ein beliebter Treffpunkt für Wildbienen geworden.
Leo Gottets Agave ist rund 22 Jahre alt. Er sagt, die Blüte sei zwar schön, aber auch traurig, weil die Pflanze bald an ihr Lebensende komme. «Sie scheint mit dem Blühen zu sagen: ‹Danke, dass du dich so lange um mich gekümmert hast.›»
Unterhalb der Pflanze, versteckt unter ihren massiven Blättern, wachsen neue, kleinere Agaven. Sie sehen genau gleich aus wie die grosse, in einer Miniversion und ohne Strunk mit Blüte. Ob er diese jedoch erneut über mehrere Jahrzehnte pflegen will, weiss Gottet noch nicht. Möglicherweise findet ja ein anderes Gewächs eine Heimat in seinem mediterranen Garten.
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